Wenn aus Warten ein kleines Spiel wird.
Auf das Essen warten kann ganz schön lange dauern. Zumindest dann, wenn man Hunger hat. 😉
Deshalb haben wir im Restaurant gerne etwas dabei, mit dem wir uns die Wartezeit ein bisschen vertreiben können.
An diesem Tag war es ein Quartettspiel mit Bauernhoftieren, das die Oma irgendwo im Schrank wiedergefunden hatte.
Und daraus wurde ganz nebenbei ein kleines Gebärdenspiel.
Was siehst du da?
Vincent kennt mittlerweile die Gebärden für alle Tiere, die auf den Karten abgebildet sind.
Also schaue ich mir mit ihm eine Karte an und frage: „Was siehst du da?“
Und Vincent antwortet mit der passenden Gebärde.
Auf dem Foto, das zu diesem Beitrag entstanden ist, war es die KUH. Und so sitzen wir beide mitten im Restaurant und gebärden gemeinsam KUH, während wir auf unser Essen warten.
Manchmal bekomme ich allerdings auch eine völlig andere Gebärde als Antwort.
Nicht, weil Vincent die richtige Gebärde nicht kennt.
Sondern weil Quatsch machen einfach viel lustiger ist. 😄
Dann lachen wir uns gemeinsam schlapp, ich zeige die richtige Gebärde noch einmal – und weiter geht es mit der nächsten Karte.
Gebärden müssen nicht geübt werden
Ich mag solche Situationen sehr, weil sie zeigen, wie selbstverständlich Gebärden Teil des Alltags werden können.
Wir haben uns nicht hingesetzt, um Gebärden zu lernen. Ich habe kein besonderes Lernmaterial vorbereitet und Vincent wird auch nicht abgefragt, ob er eine Gebärde „richtig“ kann.
Wir spielen miteinander.
Die Gebärden gehören einfach dazu.
Und manchmal macht sogar der große Bruder mit. Viele Gebärden kennt er nämlich selbst noch – oder vielleicht inzwischen auch wieder. ❤️
Schaut mal, was bei euch sowieso schon da ist
Es braucht nicht immer besonderes Material, um Gebärden in den Alltag zu holen.
Vielleicht steht bei euch ebenfalls ein altes Quartett im Schrank. Vielleicht habt ihr ein Memory, Tierfiguren, ein Bilderbuch oder ein anderes Lieblingsspiel.
Schaut es euch einmal mit anderen Augen an:
Welche Gebärden könnten hier ganz selbstverständlich mitspielen?
Denn genau das ist für mich ein wichtiger Teil Gebärdenunterstützter Kommunikation: Gebärden nicht als zusätzliche Aufgabe zu sehen, für die im Familienalltag auch noch Zeit gefunden werden muss. Sondern Möglichkeiten zu entdecken, sie dort einzusetzen, wo Kommunikation ohnehin stattfindet.
Beim Spielen. Beim Essen. Beim Anziehen. Unterwegs. Oder eben beim Warten auf das Essen im Restaurant.
Und genau darum geht es auch in meinen Kursen: Natürlich lernen wir Gebärden. Vor allem möchte ich euch aber zeigen, wie ihr sie so in euren Alltag integrieren könnt, dass sie wirklich Teil eurer gemeinsamen Kommunikation werden.
Manchmal beginnt das mit etwas so Einfachem wie einem alten Tierquartett aus Omas Schrank. ❤️